Einzelausstellung mit Tone Vigeland in der Neuen Sammlung in München

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Tone Vigeland, Halsschmuck, 2001, Silber, L. 77 cm. Privatbesitz. Foto: Guri Dahl

TONE VIGELAND. SCHMUCK – OBJEKT – SKULPTUR, so der Titel der Einzelausstellung mit der Grande Dame der norwegischen Schmuckkunst in der Neuen Sammlung in der Pinakothek der Moderne in München (11. März – 11. Juni 2017).

Skandinavischer Autorenschmuck ist ohne sie und ihre Arbeiten nicht vorstellbar. Tone Vigelands Schmuckobjekte waren bereits zu Beginn der 1960er Jahre fester Bestandteil heute längst legendär gewordener Ausstellungen und Publikationen wie etwa der 1961 in der Goldsmiths Hall London stattgefundenen Ausstellung »International Exhibition of Modern jewellery«, die die seinerzeit noch junge Kunstrichtung des Autorenschmucks erstmals einer Öffentlichkeit vorstellten.

In ihrem 80. Lebensjahr richtet nun Die Neue Sammlung der Grande Dame der skandinavischen Schmuckkunst ihre erste Einzelausstellung auf dem europäischen Kontinent außerhalb Skandinaviens aus – 50 Jahre nachdem 1967 ihre erste Solo-Ausstellung im Kunstnernes Hus (Künstlerhaus) in Oslo stattfand.

150 ihrer mehrfach ausgezeichneten Schmuckarbeiten werden in München zu sehen sein, an ihrer Seite ausgewählte Objekte und Skulpturen Tone Vigelands. Der Schritt vom Körper zum freien Raum ein scheinbar großer und letztendlich doch ein naheliegender.

Schwarz wie Eisen

Tone Vigelands Arbeiten umschmeicheln fließend den menschlichen Körper und sind doch aus Metall. Sie oxidiert das hell glänzende Silber bis es schwarz wie Eisen ist.

Die Arbeiten bestechen durch ihre Größe und Volumina, bestehen aber aus einer unvorstellbaren Vielzahl von kleinsten, handgearbeiteten Teilen – aus Silberdraht gedrehten Röhrchen, exakt geschnittenen rechteckigen und runden Plättchen oder winzigen Kügelchen und Ösen – unsichtbar für den Betrachter miteinander verbunden. Tone Vigelands Kunst am Körper wirkt modern und zugleich archaisch.

Berühmte Künstlerfamilie

1938 in eine der berühmtesten Künstlerfamilien Norwegens geboren, begann die künstlerische Ausbildung Tone Vigelands 1955 an der Statens Håndverk-og Kunstindustriskole Oslo (heute Kunsthøgskolen in Oslo). Um das Goldschmieden zu erlernen, wechselte sie 1957 an die Oslo Vocational School (Berufsschule).

1958 wird sie Mitglied der avantgardistischen Künstlerkooperative Plus in Frederikstad, wo eine Reihe noch zu Studienzeiten entstandener Entwürfe in Serie gehen. Ohrringe, die aus einem einfachen Loop in Silber gearbeitet und in ihrer zurückhaltenden Schlichtheit und Linearität in der für Skandinavien nach dem Zweiten Weltkrieg typischen Anmutung entworfen sind, wurden bis 1985 erfolgreich produziert. 1961 eröffnete Tone Vigeland eine eigene Werkstatt und wandte sich dem Unikat zu. Seither entstanden ihre weltberühmten und mehrfach ausgezeichneten Schmuckarbeiten. Diese sind nun erstmals in einer Einzelausstellung mit 150 Arbeiten zu sehen.

Höchste Ehrungen wie die 1988 überreichte Prinz-Eugen-Medaille von Schweden, 1996 die Ernennung zum Commander of the Royal Norwegian Order of St. Olav, 2002 die Überreichung des Anders-Jahre-Kunstpreises und 2008 die Verleihung des Goldenen Ehrenrings der Goldschmiedeinnung in Hanau begleiten das künstlerische Werk dieser außergewöhnlichen norwegischen Künstlerin.

Die Ausstellung mit Tone Vigeland ist einer der Höhepunkte während der jährlichen Schmuck-Woche in München.

Weitere norwegische Schmuckkünstler sind in dieser Woche (8.3.–14.3.) in München zu sehen, unter anderem Reinhold Ziegler, der eine Einzelausstellung in der Galerie Wittenbrink hat.

Text: Neue Sammlung (Pinakothek der Moderne) & Kgl. Norwegische Botschaft