Lernspiele für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten

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Außenminister Børge Brende, Ministerpräsidentin Erna Solberg und Kronprinzessin Mette-Marit beim Ausprobieren der EduApp4Syria. Foto: Marit Hverven/Norad

Am 20. März stellte Norwegen ein neues Hilfsmittel vor, das Kindern das Lesenlernen in Gebieten ermöglichen soll, in denen Schulen durch Bombenangriffe zerstört und Lehrer und Familien zur Flucht gezwungen wurden. Mithilfe einiger der weltweit besten Spieleentwickler hat Norwegen zwei pädagogische Spiele-Apps für Smartphones entwickelt, die von den Kindern überall genutzt werden können.

2,5 Millionen syrische Kinder haben aufgrund von bewaffneten Konflikten keine Möglichkeit mehr, zur Schule zu gehen. Für sehr viele syrische Kinder und Jugendliche ist das Bildungsangebot außerordentlich schlecht, egal ob in Syrien oder auf der Flucht in anderen Ländern.

„Wir müssen die technologischen Möglichkeiten nutzen, um neue Wege zu finden, das Recht eines jeden Kindes auf Bildung zu sichern. Da die meisten syrischen Familien Smartphones besitzen, haben diese Spiele das Potenzial, Millionen Kinder mit arabischer Muttersprache zu erreichen und langfristig auch andere Kinder weltweit, die nicht die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen“, so Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg.

Vor dem vergangenen Wochenende lud sie syrische Kinder, die aus Aleppo geflohen waren, zu sich in ihre offizielle Residenz ein, um die Spiele dort gemeinsam mit Kronprinzessin Mette-Marit und Außenminister Børge Brende auszuprobieren. Sie verbindet ihr Engagement für Innovation, Kinder und Bildung, weshalb sie die Entwicklungen des Projekts „EduApp4Syria“ aufmerksam verfolgt haben. Die Spiele wurden von syrischen Kindern in Jordanien und im Libanon getestet, beides Länder, die mehrere Millionen syrische Geflüchtete aufgenommen haben und deren Kapazitäten für Bildungsangebote nicht mehr ausreichend sind.

„Der Syrienkonflikt geht nun ins siebente Jahr. Es wird mit Hochdruck am Wiederaufbau der Schulen und an der Schaffung mittelfristiger Unterrichtsangebote gearbeitet. Aber die Zerstörungen sind so enorm und der Bedarf so groß, dass wir auch ergänzende Angebote schaffen müssen, damit der Lernprozess fortgesetzt werden kann. Dass Kinder beim Lesenlernen Hilfe durch mobile Spiele-Apps erhalten können, ebnet den Weg für alle anderen Arten des Lernens. Viele Kinder sind auch traumatisiert. Dass die Lern-Apps als Spiele begriffen werden, erleichtert es ihnen, Freude am Lernen zu entwickeln und neues Wissen aufzunehmen“, so Außenminister Børge Brende.

Am 20. März wurden die preisgekrönten Spiele „Feed the Monster“ und „Antura“ im Rahmen der Mobile Learning Week in Paris auf einer Veranstaltung unter Leitung von Laila Bokhari, Staatssekretärin im norwegischen Außenministerium, vorgestellt.

„Wir werden künftig mit den Vereinten Nationen, mit Hilfsorganisationen, Technologieunternehmen und aktiven Spielern zusammenarbeiten um sicherzustellen, dass die Spiele wahrgenommen und genutzt werden, in Syrien wie in den Nachbarländern. Wir werden auswerten, wie gut dies funktioniert und anschließend beurteilen, ob und wie wir die Spiele für andere Sprachen und andere humanitäre Krisen weiterentwickeln können“, so Außenminister Brende.

Entwickelt wurden die Spiele per internationalem Innovationswettbewerb unter der Leitung der Norwegischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Norad) gemeinsam mit der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) und in Kooperation mit All Children Reading: A Grand Challenge for Development, dem norwegischen Mobilfunkanbieter Orange und dem Inter-Agency Network for Education in Emergencies (INEE). Das Projekt EduApp4Syria ist Teil der globalen Bildungsinitiative der norwegischen Regierung. 20 % der norwegischen Hilfe für Syrien von insgesamt 2,7 Milliarden NOK im Jahr 2016 fließen in die Bildung.

Die Spiele „Feed the Monster“ und „Antura“ können gratis bei Google Play und im Apple Store heruntergeladen werden und anschließend ohne Internetverbindung genutzt werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite von Norad: www.norad.no/eduapp4syria