Entwicklungspolitik und humanitäre hilfe

800 Millionen Menschen leben in extremer Armut. 70 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht. Es ist eine globale Verantwortung, Menschen in Not zu helfen und zu langfristiger Entwicklung und mehr Gerechtigkeit in der Welt beizutragen, und Norwegen stellt sich dieser Verantwortung.
Foto: Ken Opprann/Norad

Auf vielen Gebieten hat die Welt große Fortschritte gemacht. Das Millenium-Entwicklungsziel, bis 2015 den Anteil der Menschen zu halbieren, die in extremer Armut leben, wurde erreicht. Nie zuvor haben so viele Menschen so gute Lebensbedingungen gehabt. Nie zuvor haben so viele Menschen eine Ausbildung machen und Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen können. Trotzdem wird die Kluft zwischen denen, die in Wohlstand leben, und denen, die in Armut leben, immer größer, und immer mehr Menschen brauchen Schutz und sind auf humanitäre Unterstützung angewiesen. Von Klimaänderungen und ansteckenden Krankheiten sind Menschen ganz unabhängig von Landesgrenzen betroffen, und die Migrationsherausforderungen nehmen zu.

Norwegens Entwicklungspolitik basiert auf den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung, die 2015 von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen beschlossen wurden. Diese 17 Nachhaltigkeitsziele bilden das globale Rahmenwerk der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, Frieden und mehr Gerechtigkeit in der Welt.

Die Entwicklungspolitik Norwegens umfasst die folgenden fünf Schwerpunkte:

  •  Ausbildung
  • Gesundheit
  • Klima, Umwelt und Meeresgebiete
  • Privatwirtschaftliche Entwicklung, Landwirtschaft und erneuerbare Energien
  • Humanitäre Unterstützung

Menschenrechte, Gleichstellung, Klima und Umwelt und die Bekämpfung von Korruption sind übergreifende Aspekte der norwegischen Entwicklungspolitik.

Humanitäre Hilfe und eine langfristige Entwicklungszusammenarbeit müssen Hand in Hand gehen. Wenn wir unseren Einsatz den schwächsten Gruppen zukommen lassen und vorbeugend arbeiten, haben wir größere Erfolgschancen. Auf diese Weise vermindern wir auch den künftigen Bedarf an humanitärer Unterstützung.

Die Entwicklungspolitik umfasst weit mehr als nur Entwicklungshilfe. Dazu gehören auch Handel, Investitionen, Zusammenarbeit in den Bereichen Technologie, Forschung und Kultur sowie Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Rechtsordnung. Deshalb sind auch diese Aspekte mitbestimmend für unseren Einsatz.

 

Norwegen will zur Erreichung folgender Ziele beitragen:

  • bis 2030 extreme Armut beseitigen
  • bis 2030 gute staatliche Strukturen und Menschenrechte für alle sicherstellen
  • die Nachhaltigkeitsziele auf der Grundlage der Menschenrechte verwirklichen
  • Leben retten, Not lindern und bei humanitären Krisen die Würde der betroffenen Menschen achten und schützen
  • auf dauerhafte Entwicklung und die Unabhängigkeit von Entwicklungshilfe hinarbeiten
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Förderung privatwirtschaftlicher Entwicklung

In den nächsten zehn Jahren werden eine Milliarde Jugendliche in das Erwerbsleben eintreten. In Entwicklungsländern befinden sich neun von zehn Arbeitsplätzen im privaten Sektor. Ein wichtiges Element der norwegischen Entwicklungshilfe ist daher eine Förderung der privatwirtschaftlichen Entwicklung, unter anderem durch den Staatlichen Investitionsfonds für die Privatwirtschaft in Entwicklungsländern (Norfund).

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Schulbildung für Kinder auf der Flucht

59 Millionen Kinder und 65 Millionen Jugendliche haben keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Ein bedeutender Teil des norwegischen Einsatzes hat Kinder und Jugendliche als Zielgruppe, die sich auf der Flucht befinden oder in Konfliktgebieten leben.

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Meeresgebiete und Meeresverschmutzung

Nicht weniger als 80 bis 90 Prozent des Kunststoffmülls im Meer haben ihren Ursprung an Land. Norwegen richtete 2018 einen eigenen Fonds ein, um dazu beizutragen, sinnvolle Abfallentsorgungssysteme auch in Entwicklungsländern aufzubauen, Kenntnisse über die Meeresverschmutzung zu erhöhen und die Voraussetzungen für eine wirkungsvolle Eindämmung der Müllflut zu schaffen.

Norwegens Maßnahmen

  • Beitrag zu guten Koppelungen zwischen humanitärer Hilfe und langfristiger Entwicklung
  • Nutzung von Entwicklungshilfe zur Stimulierung privater Investitionen und Schaffung von Arbeitsplätzen
  • Verstärkung von humanitärer Unterstützung und Bemühungen um langfristige Entwicklung in wenig robusten Gebieten
  • Beitrag zur Förderung und Durchsetzung der Rechte von Mädchen und Frauen
  • Ausbildung von Mädchen, Ausbildung in Krisen- und Konfliktgebieten und Erhöhung der Ausbildungsqualität
  • Führende Rolle in Bezug auf Maßnahmen zur Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit und zur Verhinderung der weiteren Verbreitung von HIV und Aids, Tuberkulose, Malaria und anderen ansteckenden Krankheiten
  • Treibende Kraft für ehrgeizigere Klimaziele zur globalen Senkung von Emissionen
  • Investitionen für erneuerbare Energien als Beitrag zur Verminderung der globalen Klimaemissionen
  • Jährlich rund ein Prozent des Bruttoinlandprodukts für Entwicklungshilfe und humanitäre Maßnahmen
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Bekämpfung von Kapitalflucht und Korruption

Maßnahmen zur Erhöhung des Nationaleinkommens, die Erhebung von Steuern und die Bekämpfung von Kapitalflucht und Korruption sind für die Entwicklung eines Landes weit wichtiger als Entwicklungshilfe aus dem Ausland. Aus mehreren Analysen lässt sich schließen, dass Kapitalflucht und Korruption jährlich mehr als 1000 Milliarden Dollar ausmachen. Zum Vergleich hat die weltweite Entwicklungshilfe einen Umfang von schätzungsweise 140 Milliarden Dollar.

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Gesundheit von Müttern und Kindern

Norwegen ist sich bewusst, dass die Gesundheit von Müttern und Kindern mit deren Ausbildung zusammenhängt. Mädchen und junge Frauen, die eine Schule besuchen und danach eine Berufsausbildung absolvieren, sind älter, wenn sie heiraten und Kinder bekommen. Die Ausbildung von Mädchen und Frauen ist daher für die Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit außerordentlich wichtig.

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Wissenstransfer

Norwegische Fachkompetenzen in den Bereichen Verwaltung von Naturressourcen und Steuer- und Abgabensystem werden in Entwicklungsländern immer mehr nachgefragt, und wir sind darauf eingestellt, unser Wissen in stärkerem Maße weiterzugeben. Dies tun wir durch die Programme „Fisch für Entwicklung“, „Erdöl für Entwicklung“ und „Steuern für Entwicklung“. 2018 stellten wir das Programm „Digitalisierung für Entwicklung“ vor.